Projekt Doppik

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Hallbergmoos - Pilotgemeinde Doppik

Die Gemeinde Hallbergmoos ist die erste Gemeinde in der Bundesrepublik Deutschland, die die Kameralistik mit der kaufmännischen Buchhaltung (Doppik) ersetzt hat und zwar dezentral ohne Anbindung an ein Rechenzentrum, völlig autonom. Die Kameralistik läuft nicht im Hintergrund mit.

 

Die Buchhaltungstätigkeit erfolgt seit 01.01.2002.

 

Was bedeutet diese Umstellung, welche Vorteile hat man durch das neue System?

Kameralistik

Dazu ist es erforderlich, das alte System, die Kameralistik zu beschreiben: Die Kameralistik ist ein einfaches Rechenwesen, das die Verpflichtung der Kommune nachweisen soll, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mittel die Pflichtaufgaben abdecken zu können. Dabei ist es wichtig, dass Gelder übrig bleiben für investive Ausgaben und für die Rücklage.

 

Nachdem den Kommunen immer weniger an Einnahmen zur Verfügung stehen, die Ausgaben stetig wachsen, reicht die Einnahmen/Ausgabenrechnung der Kameralistik nicht mehr aus. Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen treten in den Vordergrund, die Mittel müssen gezielt eingesetzt werden können, und zwar periodengerecht. Diese Transparenz schafft das Rechnungswesen der Kameralistik nicht.

 

Doppelte Buchhaltung (Doppik)

In der Doppik steht der Gewinn eines Unternehmens im Vordergrund. Die Gewinnerzielungsabsicht wäre für eine Kommunalverwaltung vermessen. So wie der Gewinn abgebildet werden kann, reicht es im öffentlichen Bereich, die Wirtschaftlichkeit nachzuweisen.

 

Den Nachweis der Wirtschaftlichkeit erreiche ich mit der Gegenüberstellung der Aufwendungen einer Periode und den Erlösen. Entscheidend ist , dass im Gegensatz zu Ausgaben in der Kameralistik die Aufwendungen in der Doppik auch den Werteverzehr des Anlagevermögens beinhalten, die so genannte Abschreibung. Dies bedeutet, dass der Vermögensverzehr einer Periode über die Erlöse miterwirtschaftet werden muss, so dass der Vermögensgegenstand nach Ablauf seiner Nutzungsdauer wieder gekauft werden kann. Dadurch werden Investitionen in der Periode refinanziert, in der sie verbraucht werden. Diese Aufwendungen werden nicht in die Zukunft verschoben, spätere Generationen nicht belastet.

 

Die Doppik ist eine bewährte Buchhaltung, die durch die Erfahrungen in der freien Wirtschaft bestätigten technischen Anforderungen zur Bedienung einer Kostenleistungsrechnung gewährleistet. Über die Kostenleistungsrechnung können interne Leistungsprozesse mit Zahlen belegt und damit ein Unternehmen gesteuert werden. Die Doppelte Buchführung bedient diese Art der Rechnung. Die Kameralistik müsste für diese Funktionalität umgerüstet werden.

 

Neben der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und den technischen Anforderungen hat die Doppik den Vorteil, dass ein integrierter Vermögensnachweis geführt wird, der in Echtzeit sozusagen das gemeindliche Vermögen darstellt, weil Bestandskonten aktiv über die Buchhaltung bei Belegeingang mitbebucht werden. In der Kameralistik musste der Vermögensnachweis in einer Nebenbuchhaltung abgebildet werden. Dies in Kürze zu den Vorteilen des neuen Rechnungswesens.

 

Projektplan

Der Projektplan steht als Download zur Verfügung. Er gibt einen kurzen Überblick über die wichtigsten und umfangreichsten Aufgabenstellungen im Projekt.

 

Erfahrungen aus der Praxis

  • Im Jahr 2002 wurde dem Gemeinderat der erste doppische Haushalt zur Entscheidung vorgelegt (allerdings ohne Abschreibungen, weil die Erfassung des Anlagevermögens noch nicht abgeschlossen war). In den folgenden Haushaltsjahren wurde der Haushalt stetig ergänzt und dem jeweiligen Gesetzgebungsstand angepasst.
  • Die Darstellung der Teilhaushalte mit den dazugehörigen Produktbeschreibungen haben den Haushalt transparenter gemacht. Durch die Abbildung der Produkte mit Zielen in den einzelnen Budgets finden nun wesentlich zielorientiertere Haushaltsberatungen statt.
  • Die mittelfristige Finanzplanung und das Investitionsprogramm haben in der politischen Diskussion an Bedeutung gewohnnen.
  • Durch die Doppik besteht eine optimale Ausgangsbasis für anstehene weitere Entwicklungen in Richtung Kosten-/ Leistungsrechnung und Kennzahlensysteme etc..
  • Mittels Darstellung des Finanzhaushalts kann die finanzielle Leistungsfähigkeit von den Aufsichtsbehörden auch nach altem Haushaltsrecht beurteilt werden. Bisher wurde jeder vorgelegte Haushalt von der Kommunalaufsicht genehmigt.
  • Der mit der Erfassung und Bewertung des Anlagevermögens verbundene Personalaufwand darf keinesfalls unterschätzt werden. Auch nach Vorlage der Eröffnungsbilanz bindet die laufende Anlagenbuchhaltung zusätzliche Personalressourcen.
  • Bei der Bildung von Teilhaushalten sollte der IMK-Produktrahmen beachtet werden. Außerdem sollte kein eigener Kontenrahmen, sondern der aktuell zur Verfügung stehende Kontenrahmen Bayern (Entwurf) angewandt werden. Dadurch lassen sich spätere (sehr umfangreiche) Anpassungsarbeiten vermeiden.
  • Das mit der Erfassung und Bewertung betraute Personal sollte vor Beginn umfangreich geschult werden. Hierzu werden von der Bayerischen Verwaltungsschule bereits Fortbildungsseminare angeboten.

 

Softwarepartner

Die Gemeinde Hallbergmoos hat sich für die Software "newsystem kommunal" von der Fa. Infoma (Ulm) entschieden. Hier sind die Module Finanzbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung , Kosten-/ Leistungsrechnung und Ressourcen (Bauhof) im Einsatz.

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